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  • Simone Ebner

Reizdarmsyndrom - Zusammenhang zwischen Körper und Psyche

Das Reizdarmsyndrom ist eine chronische Erkrankung, die zu erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität führen kann. Bereits der Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder ein Kinobesuch können zum Problem werden. Diese Erschwernisse im “normalen Alltag” sind sehr belastend und erzeugen ihrerseits wiederum zusätzlichen Stress, der sich negativ auf Verdauung und psychisches Wohlbefinden auswirkt - ein Kreislauf, der sich durch gesundheits- und ernährungspsychologische Begleitung stoppen lässt.


Ist das Gleichgewicht unseres Darm-Mikrobioms gestört, so leidet unsere Gesundheit. Beeinträchtigungen des psychischen Wohlbefindens können damit einhergehen. Und auch auf umgekehrtem Weg hat unser psychisches Wohlbefinden Einfluss auf unsere Verdauung. Stress und Emotionen können die Darmtätigkeit beeinträchtigen. Oft hängt ein Reizdarm mit herausfordernden Lebensphasen zusammen - diese Herausforderungen auf psychischer Ebene können vielfältig sein und betreffen im Grunde alle Lebenslagen, die subjektiv als belastend empfunden werden: Probleme in der Beziehung bzw. Familie, Konflikte, finanzielle Sorgen, Stress in der Arbeit, Diagnose einer Krankheit, Ängste aller Art, Gefühle der Überforderung, usw.


Das Reizdarmsyndrom

Das Reizdarmsyndrom ist eine weit verbreitete funktionelle Störung des Darms. Es handelt sich um eine komplexe Erkrankung, die sowohl durch physische als auch psychische Faktoren gekennzeichnet ist. Das Krankheitsbild geht mit einer Störung der Darmbewegungen und einer erhöhten Empfindlichkeit der Darmnerven einher. Strukturelle Auffälligkeiten können durch bildgebende Verfahren in der Regel nicht nachgewiesen werden. Fast doppelt so viele Frauen wie Männer sind vom Reizdarmsyndrom betroffen.


Symptome des Reizdarmsyndroms

Das Reizdarmsyndrom kann zu unterschiedlichen Symptomen führen. Am häufigsten kommt es zu Bauchschmerzen, einem allgemeinen Gefühl des Unwohlseins, Stuhlunregelmäßigkeiten mit Verstopfung oder Durchfall sowie Völlegefühl und Blähungen.

Die Ausprägung der Beschwerden ist sehr individuell:

  • Bauchschmerzen und Krämpfe sind meist sehr dominante Beeinträchtigungen. Die Schmerzen können bezüglich Intensität und Lokalisation variieren.

  • Veränderungen der Stuhlgewohnheiten umfassen sowohl Durchfall als auch Verstopfung oder beides abwechselnd. Der Stuhlgang kann von einem Gefühl der unvollständigen Entleerung begleitet sein.

  • Blähungen und Völlegefühl nach den Mahlzeiten führen zu Unwohlsein und einem aufgeblähten Bauch.

Die Diagnose wird gestellt bei Auftreten von Bauchschmerzen an mindestens einem Tag pro Woche über zumindest 3 Monate in Kombination mit mindestens 2 weiteren Symptomen wie Schmerzen beim Stuhlgang, Veränderung der Häufigkeit der Stuhlgänge (öfter oder seltener) sowie der Stuhlkonsistenz. Eine weitere Voraussetzung für die Diagnosestellung ist der Ausschluss anderer Ursachen für die Beschwerden wie z.B. Laktose-, Fruktose-, Gluten-Unverträglichkeit, chronische Entzündungen des Darms wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, Erkrankungen von Leber, Gallenblase oder Bauchspeicheldrüse sowie Erkrankungen des Magens.

rosa Darmschlingen und ein Stethoskop - Reizdarm

Zusammenhang "Körper und Psyche" beim Reizdarmsyndrom

Die genauen Ursachen des Reizdarmsyndroms sind noch nicht vollständig geklärt. Zur Entstehung trägt eine Kombination aus unterschiedlichen Faktoren bei:

Zum einen ist eine Beeinträchtigung der Darmmotilität zu beobachten. Abnorme Kontraktionen des Darms können zu den beschriebenen Symptomen führen. Zum anderen kann bei betroffenen Personen eine viszerale Hypersensitivität vorliegen. Das bedeutet, Menschen mit Reizdarmsyndrom neigen zu einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Schmerzreizen im Magen-Darm-Trakt. Bei vielen Menschen mit Reizdarmsyndrom ist der Verdauungstrakt besonders reizempfindlich. In diesem Fall führen Darmgase oder Kontraktionen zu Beschwerden, die für Menschen ohne Reizdarmsyndrom keine Beeinträchtigungen verursachen. Entzündungsreaktionen im Darm können die Symptome zusätzlich verstärken.


Neben den körperlichen Faktoren bestehen Zusammenhänge zwischen Reizdarmsyndrom und Psyche. Psychologische Faktoren wie Stressbelastungen, Ängste und Depressionen spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Personen mit Reizdarm zeigen häufiger Depressionen als Personen mit unauffälliger Verdauung. Darüber hinaus tritt das Reizdarmsyndrom bei Menschen mit Angststörungen häufiger auf.

Oft reagieren Menschen mit Reizdarmsyndrom sensibler auf Stress. Das kann eine veränderte Motilität des Magen-Darm-Traktes verursachen. Unangenehme Emotionen wie Ängste, Traurigkeit oder Ärger führen im Körper ebenfalls zu einer Stressreaktion.

Leidet eine Person unter chronischen Beschwerden, so erlangen diese im Laufe der Zeit zunehmend mehr Aufmerksamkeit. Die anhaltende Symptomatik sowie deren aktuelle Ausprägung wird von der betroffenen Person stets beobachtet - die Wahrnehmung ist stark auf das Beschwerdebild gerichtet. Dadurch entwickelt sich eine Perspektive, die andere - vielleicht positive Aspekte - in den Hintergrund rücken lässt.


Der ganzheitliche Ansatz bei der Bewältigung

Für eine effektive Bewältigung des Reizdarmsyndrom ist ein ganzheitlicher Ansatz grundlegend, da die Erkrankung sowohl körperliche als auch psychische Aspekte umfasst. Einerseits können psychische Faktoren wie Stress und Angst die körperlichen Beschwerden verschlimmern, andererseits lösen die Symptome auf körperlicher Ebene oft Ängste oder andere unangenehme Emotionen aus - ein Teufelskreis! Vor allem Reizdarm-Patienten, die täglich mit häufigen, unkontrollierbaren Stuhlgängen zu kämpfen haben, leiden enorm unter einer verminderten Lebensqualität und den Belastungen, die das Reizdarmsyndrom mit sich bringt. Genau diese emotionale Belastung kann die bestehenden Beschwerden zusätzlich verschlimmern.

Der Verlauf der Erkrankung ist daher stets ganzheitlich zu betrachten. Folglich sollte der Behandlungsansatz eine ganzheitliche Perspektive umfassen und nicht ausschließlich auf die körperliche Ebene durch medikamentöse Behandlung beschränkt sein. Vielmehr sollten ebenso psychologische Aspekte und Ernährungsveränderungen in das Behandlungskonzept integriert werden, indem eine individuelle Verbesserung der Ernährung sowie ein konstruktiver Umgang mit Emotionen und Stress gefunden wird.


Veränderungen der Ernährung

Durch die wertvolle Kombination aus TCM-Wissen und westlicher Ernährungslehre bietet die integrative Ernährung hilfreiche Maßnahmen, um den gereizten Darm zu beruhigen und wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Individualität der einzelnen Person, ihrer Krankheitsgeschichte und ihrer Bedürfnisse steht dabei im Mittelpunkt.


Emotionsregulation und Stressmanagement

Der Darm und das Gehirn sind durch ein mächtiges Nervengeflecht miteinander verbunden. Über diese Nervenbahnen findet ein ständiger Informations- und Signalaustausch zwischen Verdauungssystem und Gehirn statt. Wer kennt nicht die Schmetterlinge im Bauch beim Gefühl des Verliebtseins oder die aufkommenden Bauchschmerzen bei starker Nervosität (z.B. Prüfungsangst). Die Gesundheitspsychologie bietet vielfältige Maßnahmen zur Emotionsregulation, um Stress abzubauen, mit schwierigen Emotionen umzugehen, Anspannungen zu lösen und dadurch die Beschwerden des Reizdarmsyndroms zu lindern.


Resümee

Dem Reizdarmsyndrom liegt eine komplexe Wechselwirkung zwischen physischen und psychischen Aspekten zugrunde. Demnach ist für eine verbesserte Lebensqualität ein ganzheitlicher Behandlungsansatz grundlegend, der neben der Berücksichtigung der körperlichen Ebene auch psychologische Faktoren im Blick hat. Durch Veränderungen der Ernährung, Förderung der Stressbewältigung und der Regulation schwieriger Emotionen können betroffene Personen einen aktiven Beitrag zu einem gesteigerten Wohlbefinden leisten und das Gefühl der Kontrolle zurückgewinnen. Integrative Ernährung und Gesundheitspsychologie bieten hier eine wertvolle Begleitung.


Hinweis:

Dieser Blogbeitrag dient der Informationsvermittlung und ist kein Ersatz für medizinische Abklärung und Versorgung. Bei Symptomen, die auf das Reizdarmsyndrom hindeuten, sind fachärztliche Abklärung bzw. Diagnosestellung und individuelle Behandlungsempfehlungen sicherzustellen.

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